Zur Zukunft städtischer und regionaler Bildungsarbeit
Haus Nordhelle, 01. Februar 2012
Stadt und Land im Fluss
7 Thesen
1. Der Ev. Kirchenkreis Münster setzt sich aus drei Synodalregionen zusammen: die Stadt Münster als zentrale und mitgliederstarke Synodalregion (regionales Oberzentrum), sowie die beiden Synodalregionen Warendorf (Kreisstadt) und Lüdinghausen (ehemalige Kreisstadt).
Die Stadt-Land-Beziehung ist damit eine strukturell vorgegebene Gestaltungsaufgabe.
2. Die 107.000 Protestanten im Ev. Kirchenkreis Münster leben in der Diaspora. Dem Kirchenkreis obliegt nach der Kirchenordnung die Aufgabe, Gaben und Lasten der Gemeinden auszugleichen.
Die Förderung eines gemeinsamen Selbst- und Aufgabenverständnisses, das sich in der sozialen Gestalt der Kirche in der Region abbildet, ist ein Lernprozess für alle Gemeinden, Einrichtungen und Dienste.
3. Jedes formale und intentionale Bildungshandeln ist nolens volens abhängig von der Qualität des Entwicklungsprozesses, an dem sich das Lernen formt.
Die Bereitschaft, Bildungsangebote anzunehmen korrespondiert mit den Erfahrungen im kirchlichen Selbststeuerungsprozess.
4. Informelles Lernen dürfte gegenüber expliziten Bildungsangeboten kirchlicher Bildungsträger deutlich die größere Dringlichkeit, das größere Gewicht und die tiefere Wirkung haben.
Kein Bildungsangebot ist kirchenpolitisch unschuldig. Es setzt Positionsbildungen, Meinungsäußerungen und Verhalten voraus und wirkt auf sie ein.
5. Kirchliche Bildungseinrichtungen sind selbst Gegenstand kirchlicher Selbststeuerung und haben damit an den Erfahrungen ihrer Kunden Anteil.
Lohnenswert ist die Perspektive, wie kirchliche Bildungseinrichtungen das Lernen im Prozess ermöglichen, unterstützen und orientieren können. (Bildungsbericht)
6. Eine Herausforderung und Chance für kirchliche Bildungsinstitutionen besteht darin, individuelle Biografien, normative Programme und strukturelle Prozesse miteinander zu verschränken.
Ein wesentliches Desiderat besteht in der Erhebung und Abstimmung von Bedarf in Aus-, Fort- und Weiterbildung, Personal- und Organisationsentwicklung.
7. Die Bildung regionaler Gestaltungsräume verlangt hohe Frustrationstoleranz und viel Geduld. Erfahrungen des Scheiterns bleiben nicht aus, widerlegen aber auch nicht ihre sachliche Notwendigkeit.
Je konstruktiver regionale kirchliche Bildungs(t)räume geschaffen werden, desto größer die Chance, die Zukunft der Kirche in Stadt und Land durch Bildungsangebote im Fluss zu halten und mitzugestalten.